Montag, 6. April 2009

«Übernehme die Verantwortung»

Stephan Höhn (40), Coach beim HC Dietikon-Urdorf, redet nach dem Abstieg aus der NLB Tacheles

Mit dem gestrigen Gastspiel in Zollikofen gegen Grauholz(Bericht siehe unten) ging die NLB-Saison für den HC Dietikon-Urdorf zu Ende. Coach StephanHöhn zieht nach dem Abstieg Bilanz und spart nicht mit selbstkritischen Tönen.

VON RUEDI BURKART

Stephan Höhn, die von A bis Z missglückte Saison ist vorbei. Sind Sie froh darüber?

Stephan Höhn: Es ist gut, dass jetzt ein Schlussstrich gezogen werden kann.Das gibt Platz für Neues.

Ihre Mannschaft stand ab der sechsten Runde immer auf einem Abstiegsplatz.Warum wurde es eine dermassen schwierige Saison?

Höhn: Ich vergleiche diesen Abstieg am besten mit einem Flugzeugabsturz. Es kamen Dutzende von Gründen zusammen.Am Schluss braucht es dannnicht mehr viel, und das Flugzeug geht runter.

Konkret?

Höhn: Konkret übernehme ich die volle Verantwortung für den Abstieg. Ich habe meinen Job nicht richtig gemacht.

Das heisst?

Höhn: Die 1. Mannschaft hat über die Jahre einen unglaublichen Substanzverlust erlitten. Das hat hat nicht erst letzte Saison angefangen. Als ich zusammen mit Sascha (Schoenholzer,dem Spielertrainer, Anm. d. Red.) vor zwei Jahren das Team übernommen habe, bin ich ohne «Vorbelastung» an die Arbeit gegangen, da ich vorher viele Jahre nicht mehr im Klub aktiv war. Das war zwar gut, aber der schleichende Substanzverlust ist mir damals noch nicht aufgefallen.

Jetzt wissen Sie es besser.

Höhn: Ja, das ist so. Wie ich sagte: Da habe ich meinen Job nicht gut genug gemacht. Ich hätte früher reagieren sollen.

Und wie?

Höhn: Wir hätten im letzten Sommer noch mehr Gas geben müssen, noch härter trainieren. Dann hätten wir –und da bin ich mir sicher – mehr Punkte auf dem Konto. Und wir beide würden uns jetzt über den Ligaerhalt unterhalten.

Einspruch! Dem Team fehlte schlicht die Klasse für den Ligaerhalt.

Höhn: Da widerspreche ich Ihnen. Ich sage: Wir hätten die Klasse halten können. Aber wir sind den Gegnern immerein wenig hinterhergerannt.

Immer wieder hörte man in den letztenWochen, dass im Team trotz denschlechten Resultaten eine sehr gute Stimmung herrsche.

Höhn: Das ist korrekt.

Wäre es vielleicht nicht besser, in den Trainings würden einmal die Fetzenfliegen, um das Team zu wecken?

Höhn: Da bin ich Ihrer Meinung. Esbraucht auch einmal «giftige» Situationen. Aber das ändert sich hoffentlich in der neuen Saison. Wir müssen ganz klar intensiver trainieren.

Sie und Sascha Schoenholzer bleibentrotz dem Abstieg eine dritte Saison als Trainerduo beim HC Dietikon-Urdorf.Warum?

Höhn: Weil die sportliche Leitung desVereins und die Spieler hinter uns beidenstehen. Bis Ende Dezember letzten Jahres teilten uns alle Spieler schriftlich mit, dass sie eine weitere Saison mit unszusammenarbeiten möchten. Und zwar ohne Ausnahme. Im Februar fragten wirnochmals nach, mit demselben Resultat.

Welches sind Ihre Gründe, den Vertrag weiterlaufen zu lassen?

Höhn: Ich habe meine Arbeit noch nicht beendet. Ich will mit jedem Spieler noch einiges bewegen.

Das heisst: Der Aufstieg ist das Ziel?

Höhn: Es wäre wohl einfacher gewesen,diese Saison oben zu bleiben, als imnächsten Jahr den direkten Wiederaufstiegzu schaffen.

Sie haben vorhin den Substanzverlust angesprochen. Auf nächste Saisonwird das Kader weiter ausgedünnt. Der eine Topskorer, Jonas Affentranger, geht zu Suhr. Der andere, Daniel Imhof, weiss noch nicht, ob er weitermacht. Das wären dann aktuell 249Treffer weniger. Knapp die Hälfte aller Treffer…

Höhn: Jonas geht, das ist klar. Aber bei Dani stehen die Chancen gut, dass erbleibt.

Auf Rang 3 in der teaminternen Skorerlistesteht Sascha Schoenholzermit 37 Treffern, davon 19 Penaltys. Auf Rang 4 Marcel Scheurer, aber der ist seit langem nicht mehr dabei. Damuss einem für nächste Saison angst und bange werden.

Höhn: Es ist klar, wir haben zu tun. Die Zukunft hat spätestens mit demSchlusspfiff gegen Grauholz begonnen.

Wird der HC Dietikon-Urdorf in dernächsten Saison gleich durchgereicht?

Höhn: Nein, nein. Aber wie gesagt: Wir müssen jetzt an der Zukunft arbeiten.Blicken wir also vorwärts.

Höhn: Genau. Vorbei ist vorbei.

Affentranger weg, Imhof vielleicht.Wer kommt?

Höhn: Wir haben viele gute und willigejunge Spieler. Die Breite des Kaders ist inzwischen vielversprechend, und wir haben noch Steigerungspotenzial. Dazugibt es Kontakte zu externen Spielern.

Und das reicht?

Höhn: Sicher wird es schwierig. Aber meine Aufgabe ist es, dem Team wieder eine Art Winner-Mentalität zu vermitteln.

Nach einer solchen Saison wird das eine grosse Herausforderung.

Höhn: Das weiss ich. Ich liebe grosse Herausforderungen– packen wirs an!

Wann gehts mit dem Training wiederlos?

Höhn: Wir treffen uns morgen (heute,Anm. d. Red.) zu einem Abschluss in der Halle. Dann gibts Infos für das Team.Und dann machen wir drei Wochen lang nichts.

Bisher trainierte man dreimal wöchentlich. Künftig viermal?

Höhn: Dazu kann ich im Moment nochnichts sagen, nur so viel: Wir werden lernen müssen, leistungsorientierter zuleben. Dies wird viele Bereiche betreffen.

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