Montag, 12. September 2011

Wir können nur erfolgreich sein

Handball: Dietikon-Urdorf-Trainer Stefan Konkol blickt auf die heute beginnende 1.-Liga-Saison

«Das Ziel ist klar – Aufstieg!» So lautete eine Schlagzeile dieser Zeitung über
einer Saisonvorschau des HC Dietikon-Urdorf. Sie scheint schon lange
her zu sein. Doch es sind seither erstfünf Jahre vergangen. 2006 gingen die
Limmattaler nach der ersten 1.-Liga-Saison der Vereinsgeschichte, in der
sie den direkten Wiederaufstieg knapp verpasst hatten, mit breiter
Brust in die Spielzeit. Und fürwahr: Sie kehrten in die zweithöchste Spielklasse
zurück. Tempi passati. Nach dem Abstieg 2009 kämpfte der HCDU
in der 1. Liga gar gegen den Abstieg. Das Team um den nun alleinigen Trainer
Stefan Konkol (33) unternimmt nun einen neuen Anlauf, um wenigstens
wieder in die Nähe der Vergangenheit zu kommen. Heute (17 Uhr,
Zentrum, Urdorf) startet die neue Saison gegen Uster. LiZ-Tipp: 27:31


Stefan Konkol, wann hörten Sie zuletzt den Begriff «NLB» in Verbindung mit Ihrem Team?

Stefan Konkol: Das war vor ein paar Wochen an der GV, als von der Vision
2020 die Rede war, nach der die 1. Mannschaft mittelfristig wieder
das Zugpferd sein soll, auch, um für die eigenen Junioren einen Anreiz,
eine Perspektive zu bieten.

Stichwort Junioren: Sie waren der letzte U21-Trainer des HCDU. Die Mannschaft wurde in der vorletzten Saison wegen Spielermangel zurückgezogen. Bis heute gibt es keinen Nachwuchs in der ältesten Spielklasse. Düstere Aussichten.
Der Schritt von den Junioren zu den Aktiven ist unter diesen Voraussetzungen enorm schwierig.
Mein Wunsch wären Interregional-Teams auf allen Stufen, um den Leistungsgedanken zu fördern.
Bis so etwas aufgebaut ist, können Jahre vergehen, wie das mir aus
meiner Zeit in Solothurn in Erinnerung ist: Es dauerte sieben Jahre.


Ist der Leistungsgedanke in der 1. Mannschaft ausgeprägt?

Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung, in der alle mitzogen. Die Mannschaft
ist auch näher zusammengerückt dank Aktivitäten neben der Halle. Jeder geht für jeden.

Die Vorbereitung war lang und mitvielen Spielen intensiv. Machen Sie Koller aus?
Man kann schon Gefahr laufen, zu viele Testspiele zu machen. Bei uns passte es aber. In den letzten beiden Saisons waren Ambitionen nach vorn jeweils schon bei Saisonhälfte kein Thema mehr.

Wird es diesmal anders?
Wer gut startet, liegt gut im Rennen. Sechs der ersten sieben Spiele tragen wir zu Hause aus, was nachweislich wichtig ist für diese Mannschaft. Leider haben wir am Samstag ein Problem im Rückraum, weil einige Spieler es wieder geschafft haben, ihre Ferien so zu legen, dass das erste Meisterschaftsspiel davon betroffen ist.

Das alte Problem des HCDU also. Sind Sie frustriert darüber?
Auf jeden Fall. Man ist schon desillusioniert, wenn man so lange und intensiv
mit den Spielern zusammenarbeitete und es plötzlich heisst: Ich bin dann und dann weg.
Ärgerlich ist vor allem, dass einem das erst kurz vorher mitgeteilt wird. Das scheint
ein Generationenproblem zu sein. Der Teamgedanke zählt nicht mehr so viel wie zu meiner Zeit.

Das ist ein Widerspruch zu Ihrer Aussage, nach der jeder für jeden gehen würde.
Das sehe ich nicht so. Zwischen den Spielern ist das kein Thema; für sie funktioniert das so.

Das ist ein Machtinstrument der Spieler gegen Sie.
Damit muss ich leben.

Haben Sie nie daran gedacht, hinzuschmeissen?
In solchen Momenten stellt man sich immer Grundsatzfragen, denn ein
Team funktioniert wie ein Puzzle. Fehlt ein Teil, ist es nicht komplett.

Warum machen Sie denn den Job?
Es gibt zwei Möglichkeiten für mich: «teubelä» oder aus den Spielern, die mir zur Verfügung stehen, das Beste herausholen und mit ihnen Gas zu geben. Ich habe mich für das Zweite entschieden.

Fällt Ihnen die Arbeit nach dem Rücktritt von Sascha Schoenholzer
als Mit-Trainer leichter?

Was das Sportliche anbelangt, hält sich die Veränderung in Grenzen, wir hatten klar abgesprochene Verantwortungsbereiche. Zwischenmenschlich hingegen ist es leichter, wenn nur einer der Chef ist.

Weil man nicht mehr gegen einen
anderen ausgespielt wird?

Genau. Die direkte Kommunikation ist viel wichtiger geworden.

Der HCDU lockte zuletzt immer weniger Zuschauer an. Gibt es Vorhaben, dem entgegenzuwirken?
An Ideen fehlt es dem Verein weniger als an Helfern, die diese umsetzen.
Als Mannschaft können wir nur eines machen: erfolgreich sein.

Quelle: Limmattaler Zeitung vom 10.09.2011

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